GESCHICHTE

Lange und mühsam war der Weg bis zur Eröffnung des "ersten Naturfreundehauses". Ende des 19. Jahrhunderts war schon eine Baugruppe der Naturfreunde ins Leben gerufen worden, die aber über zu wenig finanzielle Mittel verfügte. Die Mitglieder mussten daher die Hütten und Wege der anderen Vereine nützen. Aus dieser Notlage entwickelte sich der Gedanke "Gemeinschaftseigentum" zu schaffen. Bereits im Jahre 1904 gab es in Tirol die Idee, am Serleskamm ein eigenes Haus zu erbauen. Am 17. April 1905 beschlossen die Naturfreunde am Padasterjoch bei Steinach am Brenner, nach den Plänen des Innsbrucker Mitgliedes Depaoli, ein Schutzhaus zu errichten.

ZITATE AUS DEM „NATURFREUND“ MAI 1905

1. Die Hütte liegt zentral, alle in ihr Gebiet gehörenden zahlreichen Gipfel sind in ebenmäßiger Entfernung erreichbar.
2. Das Hüttengebiet ist kein weltvergessener Winkel, sondern steht mitten im Verkehr mit Nähe der Touristen-Metropole Innsbruck und des Nord und Süd verbindenden Brennerpasses. Dass viel besuchte Stubaital mit seiner neu errichteten "Elektrischen" bieten Gewähr für die Hüttenfrequenz mit Ausbau der dazu nötigen Wege. Ein Höhenweg ersten Ranges wird die geplante Verbindung zur Innsbrucker Hütte geben. Ausgehend von Matrei nach Maria Waldrast über das Kalbenjoch dann die blumenreichen Matten des Padastertales in gleichbleibender Höhe zur geplanten Hütte. Von dieser die kühne Kirchdachspitze unter der wild räuenden Wildspitze vorbei und schließlich die unscheinbare Kalkwand querend zur Innsbrucker Hütte, hätte nicht leicht seines gleichen.
3. Die unmittelbare beim Hüttenplatz fließende ergiebige Quelle kann leicht in die Hütte eingeleitet werden.
4. Die landschaftlich schöne Lage des Hüttenplatzes ist über jeden Zweifel erhaben. Im sanften Abfalle zieht des Padastertal zu Füßen des Beschauers hinunter zum Wipp und Gschnitztales. Der Blick führt weiter zum Herzen der Tuxer Eisberge, überragt vom majestätischen Olperer. Die Kuppen der Brenner Berge lassen einen Durchblick nach Süden frei, vor uns die Tribulaune und die Feuersteine.
5. Keine Hütten und Wege bestehen dort, ja nicht einmal Markierungen. Kein alpiner Verein hat sich des Serleskammes angenommen. Ausgenommen der beiden Berge Serles und Blaser mit Wege aus dem Wipptale kultiviert und neu errichtet durch den ÖAV und ÖTK, Innsbruck.

VON DER IDEE ZUR HÜTTE

Die Naturfreunde Innsbruck begrüßtem mit großer Freude den Vorschlag der Naturfreunde-Zentrale in Wien, und übernahmen die Bauabwicklung der Hütte. Hier allen voran der Obmann Fritz Hamburger und das unermüdlich schaffende Mitglied Depaoli. Die Baukomitees in Innsbruck und Wien haben unzählige Nachtstunden geopfert bis alle Schwierigkeiten überwunden waren. Der Bauablauf wurde für drei Jahre vorgesehen, wobei in der 1. Periode im Jahr 1905 ein Touristeneinstieg zum Hüttenplatz angelegt wurde. Die Firstfeier beim Schutzhaus am Padasterjoch am 13. Oktober 1906. Die von der Gemeinde Trins erhaltene rechtsverbindliche Erklärung, welche auch gleichzeitig die Baubewilligung für den Steig über die Gemeindegründe enthält und dem Verein das Recht einräumt, mit den Vorarbeiten sofort wieder zu beginnen wurde erst nach endgültigen Lageplan und eingezeichneter Wegroute und abgestecktem Hüttenplatz erteilt. Aus Kostengründen wurde ein Universal- Nivellierinstrument angeschafft um drei Innsbrucker Naturfreunde - ein Ingenieur, ein Bauleiter und Depaoli - erklärten sich bereit die Arbeiten der Trassierung durchzuführen, da die Inanspruchnahme eines Zivilgeometers zu diesem Zeitpunkt für den Verein nicht leistbar war. Die Anlegung des Steiges musste auch für die Benützung mit Maultieren ausgelegt sein. Die Arbeiten wurden in fünf Tagen mit einer beachtlichen Arbeitszeit von täglich 12 bis 14 Std. mit nur einstündiger Rast unermüdlich durchgeführt. Im selben Jahr wurde noch der Spatenstich für die Hütte, ohne Prunk und Aufputz gesetzt. Weiters die Wasserleitung verlegt. Aufgrund des ungünstigen Frühjahrswetters konnten die eigentlichen Bauarbeiten erst am 17. Juli 1906 begonnen werden. Aufgrund der kurzen Bauzeit im Hochgebirge (Schneefall bereits Ende August), konnte die Firstfeier erst am 13. Oktober 1906 abgehalten werden. Im Jahre 1907 konzentrierte man sich auf den Innenausbau. Das gesamte Haus wurde innen mit Holz vertäfelt. Die Kosten für die Einrichtung der einzelnen Zimmer wurden von eigenen Ortsgruppen übernommen. Demgemäß gibt es bis heute die Zimmernamen: Münchner-, Mährisches-, Schweizer-, Steirer-, Tiroler-, Rohrauer und NÖ-Schneeberg-Zimmer. Um dieses Vorhaben zur realisieren, musste ein Kredit in der Höhe von 25.000 Kronen aufgenommen werden. Über die Ortsgruppen liefen Baustein und Spendenaktionen, die von den Mitgliedern sehr rege genutzt wurden. Einnahmen von Tanzveranstaltungen in Wien und Innsbruck kamen ebenfalls dem geplanten ersten Naturfreundehaus zu Gute.

WELT FREI!

Am 12. August 1907 war es endlich soweit und es fand die gut besuchte Eröffnung des Padasterjochhauses (2232 m) statt, zu der in Sonderzügen aus Wien 600 und aus Graz 200 Naturfreunde anreisten. Es kamen auch einige hundert Tiroler Naturfreunde-Mitglieder aufs Padasterjoch, da man an diesem Tag auch gleich das 5-jährige Bestehen der Ortsgruppe Innsbruck feierte. Von den Festrednern sind zwei Mitbegründer der Naturfreunde hervorzuheben: Der Zentralobmann Alois Rohrauer wünschte allen, die das Padasterjochhaus besuchen würden, dass es für sie zu einer Stätte der Zuflucht, der Erholung und Ruhe werden sollte. Der dankte allen, die an der Errichtung - sowohl geistig als auch manuell - mitgeholfen hatten, und erklärte das Naturfreundehaus für eröffnet. Dr. Karl Renner meinte in seiner Rede, dass das erste Naturfreunde-Haus ein Ort der Bergsteiger und Naturfreunde sein solle. Touristik sei weder leerer Sport noch müßiges Vergnügen oder bloße Zerstreuung: "Wenn wir hinauseilen in die Natur, wenn wir wollen, was die Aufgabe der Menschheit ist, und es wird nicht nur ein "Berg Frei!" sein in unserer Zukunft, sondern ein "Welt frei!".

EIN ECHTES VORZEIGEHAUS

Im Frühjahr 1908 wurde für das Padasterjochhaus der Kassier der Ortsgruppe Innsbruck, Vinzenz Langer, als Pächter bestellt. Er bewirtschaftete das Haus mit seiner Frau in den nächsten Jahren zur vollsten Zufriedenheit. Am Ende der Saison 1908 konnten bereits mehr als 1000 Besucher gezählt werden. Vor allem der neu errichtete Rohrauersteig aus dem Pinnistal über die Hammerscharte zum Padasterjoch erleichterte den Aufstieg aus dem Stubaital. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, einen versicherten Steig auf die Kirchdachspitze und einen Verbindungsweg zur Innsbrucker Hütte anzulegen. In einer Höhe von ca. 2000 m sollte es möglich sein, auch den Habicht zu erreichen, ohne ins Pinnistal absteigen zu müssen. In den späteren Jahren wurde das Naturfreunde-Haus auch als Winterquartier (Winterraum mit Schlaf - und Kochstelle) für Skitourengeher genützt. Die Zwischenkriegszeit in den Jahren des Ersten Weltkrieges gab es im Naturfreundehaus nur wenige Besucher, und es wurde nur an den Wochenenden bewirtschaftet. In den 1920er Jahren wurde das Haus wieder stärker besucht, vor allem von Naturfreunden aus Deutschland. Am 14. Februar 1934 wurden die Naturfreunde aus politischen Gründen vom Dollfuß-Regime verboten. Das Vermögen des Vereins wurde konfisziert, sämtliche Naturfreunde-Häuser wurden in der Folge faschistischen Vereinen übertragen, so auch das Padasterjochhaus.

DIE ZEIT NACH DEM 2. WELTKRIEG

Nach der Restitution und Rückgabe an die Naturfreunde 1945 wurde das Haus wieder von Pächtern bewirtschaftet. Es war eines der wenigen Häuser, die weder geplündert noch beschädigt worden waren. In den 1950er Jahren wurde das Haus von der Familie Schafferer geführt. Zu dieser Zeit wurde im Haus eine Progangastbeleuchtung installiert. Der Umbau und die Sanierung der Holzveranda wurden ebenfalls durchgeführt. Auch der Gedanke des Verbindungsweges zur Innsbrucker Hütte würde wieder aufgegriffen, aber jetzt auf der Seite des Gschnitztales. Nach verschiedenen Begehungen musst leider festgestellt werden, dass dieser Weg nur als Steiganlage mit Versicherungen möglich wäre. Der Vorschlag wurde daher wieder verworfen.

DIE PÄCHTERFAMILIE PRANGER

1962 übernahm Georg Pranger mit seiner Frau Maria die Pacht des Naturfreunde-Hauses. Alles, was zur Bewirtschaftung benötigt wurde, musste mit dem Pferd gebracht werden. Man benötigte bergauf drei Stunden. Da Georg Pranger bei der Brenner Autobahn AG im Schichtdienst arbeitete, mussten aus Zeitmangel zum Saisonbeginn alle notwendigen Sachen mit einem Hubschrauber zur Hütte geflogen werden. Die Hüttenwirtin Maria Pranger war vom ersten Tag der Saison bis Saisonende auf der Hütte.

1977 übernahm der Sohn, Paul Pranger, mit seiner Frau Agi die Bewirtschaftung. Seit dieser Zeit konnten durch unermüdlichem Tatendrang und noch größerem Idealismus zahlreiche Neuerungen und Erweiterungen errichtet werden.
Ende der 1970er Jahre wurde der Forstweg bis in die Bergmähder unterhalb des Padasterjochhauses verlängert.
1987 zur 80-Jahrfeier erstrahlte das Haus im neuen Anstrich.
1989 errichtete Paul Pranger mit großem körperlichem und finanziellem Einsatz eine 600 m lange Materialseilbahn bis zum Haus. Ab nun war die Versorgung des Hauses um einiges billiger.
1992 wurde die Wasserversorgung erneuert.
1999 wurde für die jahrzehntelangen Stammgäste vom Pächterpaar ein Gipfelkreuz am Padasterjochkogel errichtet und feierlich eingeweiht.
2000 wurde nach jahrelangem Beharren von Paul Pranger die Zubringerstraße bis zum Haus gebaut, was die Bewirtschaftung sehr erleichtert.
2001 wurde die alte Veranda abgerissen.
2002 baute man eine neue Veranda mit Panoramafenstern, sowie zwei Toilettenanlagen.
2004 errichtete man eine Panoramaterrasse mit 50 Sitzplätzen; drei Wiener Naturfreunde- Gruppen - E-Werk, Währing und Döbling - unterstützten dieses Bauvorhaben finanziell maßgeblich.
2006 wurden eine Photovoltaikanlage für die Stromerzeugung und eine Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung gebaut.

Leider konnten noch nicht alle Pläne verwirklicht werden: Den Verbindungsweg zur Innsbrucker Hütte etwa gibt es noch immer nicht!